Allgemeine Infos

Formen der Intersexualität

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Androgenresistenz (CAIS, PAIS)
Gonadendysgenesien
Adrenogenitales Syndrom (AGS)
wahrer Hermaphroditismus

Glossar

Literatur

Interview zum Projekt


Komplette und partielle Androgeninsensitivität.

Die Androgenresistenz (Androgen-Insensitivity-Syndrom, AIS) ist nach der Gonadendysgenesie die zweithäufigste Ursache der Intersexualität bei Personen mit XY-Chromosomen.

Sie führt dazu, dass bei Individuen mit XY-Chromosomen - die also genetisch gesehen einen männlichen "Bauplan" haben - die vermännlichenden Hormone (Androgene) nicht richtig wirken können. Aus diesem Grund kommt es im Mutterleib und nach der Geburt nicht zur Vermännlichung des Körpers.

Bei der Androgenresistenz werden zwar genügend männliche Hormone gebildet, diese können aber nicht richtig wirken. Mittlerweile ist bekannt, dass dies auf eine Störung im Androgenrezeptor-Mechanismus zurückzuführen ist. Das bedeutet, dass die Rezeptoren, die normalerweise auf die männlichen Hormone ansprechen und deren Information weiterleiten, nicht richtig funktionieren. Die Ursache für diese Unwirksamkeit der Rezeptoren ist eine genetische Mutation im Androgenrezeptor-Gen.

Man unterscheidet zwei Formen der Androgenresistenz: Die komplette Androgenresistenz (in diesem Fall sind die Androgenrezeptoren völlig unwirksam) und die partielle Androgenresistenz (die Androgenrezeptoren sind in ihrer Funktion nur teilweise eingeschränkt).

Komplette Androgenresistenz (CAIS)
Bei der CAIS sprechen die Androgenrezeptoren nicht auf die männlichen Geschlechtshormone an und können darum die Hormon-Informationen nicht weitergeben. Zwar bilden die Hoden genügend männliche Geschlechtshormone, diese werden aber vom Körper nicht wahrgenommen. Während der Embryonalzeit werden darum keine männlichen Genitalorgane gebildet. Entsprechend fehlen sowohl die inneren männlichen Genitalien (Samenleiter und Prostata), als auch der Penis als äußeres Genitalorgan. Die Hoden wandern meistens nicht durch den Leistenkanal nach unten und werden dadurch auch nicht sichtbar.

Das äußere Genital entwickelt sich bei Personen mit CAIS weiblich (Vagina), die inneren weiblichen Geschlechtsorgane (z.B. Eierstöcke, Uterus) werden jedoch nicht wie bei einer biologischen und genetischen XX-Frau ausgebildet.

Bei der Geburt wird die CAIS in den meisten Fällen nicht erkannt, da die Kinder wie "normale" Mädchen aussehen und auch in den meisten Fällen ganz unproblematisch als solche aufwachsen.

Die Probleme entstehen für viele Personen mit CAIS erst in der Pubertät, wenn die weibliche Pubertätsentwicklung ausbleibt. Da den CAIS-Frauen die inneren weiblichen Organe fehlen, kommt es zu keiner Regelblutung und die Scham- und Achselbehaarung bleibt aus.

Allerdings werden die männlichen Geschlechtshormone zu einem kleinen Teil zu weiblichen Geschlechtsorganen umgewandelt. Dadurch kommt es zu einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Brustwachstum.

Partielle Androgenresistenz (PAIS)
Bei dieser Form der Androgenresistenz ist die Wirksamkeit der Androgenrezeptoren nicht vollkommen aufgehoben. Das heißt, dass die männlichen Hormone mehr oder weniger ausgeprägt auf den Körper wirken. Dies hat zur Folge, dass sich die männlichen inneren und äußeren Genitalorgane teilweise oder nahezu vollständig entwicklen.

Die PAIS wird in der Regel meist bei der Geburt festgestellt, da das Kind mit uneindeutigen Geschlechtsorganen zur Welt kommt. Dabei ist das Spektrum der möglichen Erscheinungsformen sehr groß. Es reicht von einem überwiegend weiblichen Erscheinungsbild mit einer leicht vergrößerten Klitoris über alle Zwischenstufen bis zu einem männlichen Erscheinungsbild mit einem evtl. etwas verkleinerten Penis.

Die Entwicklung dieser Kinder ist meist sehr viel problematischer als die von Kindern mit CAIS, da sich viele Kinder in ihrem Erleben weder ganz als Mädchen, noch ganz als Jungen fühlen. Viele fühlen sich eher "dazwischen". Oft tauchen besondere Probleme in der Pubertät auf, wenn es durch einen erneuten Hormonschub zu körperlichen Veränderungen kommt, die vielleicht nicht im Einklang mit der eigenen Geschlechtsidentität stehen. Zum Beispiel kann es bei PAIS-Jungen zum Brustwachstum kommen oder bei PAIS-Mädchen zum Stimmbruch.